Sewista im Mittelpunkt: Renee

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Eine Community aus treuen Näherinnen mit eigenen Visionen, einer Menge Kreativität und fleißigen Fingern, die sich mit unseren Schnittmustern beschäftigen, hat eine Belohnung verdient. Daher stellen wir in jedem Monat eine Sewista in den Mittelpunkt. In diesem Monat bekommen wir einen Einblick in das Nähleben von Renee (@lankybyrenee) in die Rolle, die Fibre Mood dabei spielt.

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Warum hast du angefangen zu nähen und/oder zu stricken?

Ich habe aufgrund meiner Größe angefangen, meine eigenen Kleidung zu nähen. Mit meinen 1,82 m bin ich sehr groß, daher habe ich schon mein ganzes Leben lang das Problem, dass Hosen und lange Ärmel immer viel zu kurz ausfallen. Daher habe ich vor eineinhalb Jahren beschlossen, selbst Stoff zu kaufen und mich an die alte Nähmaschine meiner Oma zu setzen, um mein erstes maßgefertigtes Kleidungsstück zu nähen. 

Ein anderer Grund für mich, meine eigene Kleidung zu entwerfen, ist die aktuelle Fast Fashion-Industrie und deren Auswirkungen auf den Menschen und die Umwelt. Trends sind sehr schnelllebig und manchmal schon wieder aus der Mode, bevor die Saison vorbei ist. Die Kleidung hat oftmals eine schlechte Qualität und die Umstände für die Arbeiter in den Fabriken sind häufig erbärmlich. Außerdem hat die heutige Bekleidungsindustrie einen größeren Einfluss auf den Klimawandel als der gesamte Flugverkehr zusammengenommen. Das kann und muss anders werden. Für mich ist dies ein wichtiger Grund, meine Kleidung selbst zu machen.

Für mich ist es gut zu wissen, dass meine Kleidung in jedem Fall nicht unter solchen Umständen genäht wurde. Es erscheint mir sehr schön, mit meinem Blog letztendlich andere Menschen dazu anregen zu können, ihre eigene Kleidung zu nähen oder dazu überzugehen, fair gefertigte Kleidung zu kaufen.

Wie hast du das Nähen und/oder Stricken gelernt?

Ich habe die Grundlagen als kleines Mädchen von meiner Mutter gelernt, als ich gern die Kleidung für meine Barbies und Puppen selbst nähen wollte. Das Nähen von Kleidung für Erwachsene und das Zeichnen von Schnittmustern habe ich mir selbst beigebracht, indem ich mir Kleidung aus meinem Kleiderschrank und YouTube-Videos angesehen habe und natürlich anhand der ausführlichen Beschreibungen von Fibre Mood.

Was machst du am liebsten? Nähen oder Stricken?

Nähen ist mein absoluter Favorit, da ich hier meine gesamte Kreativität ausleben kann. Ich habe es nie geschafft, mehr als nur ein paar Schals zu stricken, da ich mich immer verzähle und mir die Geduld dafür fehlt.

Warst du schon von Kindesbeinen an kreativ?

Auf jeden Fall! Ich komme aus einer super kreativen Familie. Mein Bruder ist Künstler, mein Opa konnte gemeinsam mit meinem Vater prächtige Möbel bauen und Aquarelle zeichnen und meine Mutter hat früher in ihrem eigenen Nähatelier Kinderbekleidung verkauft. Ich wollte immer mitmachen und habe gemeinsam mit meiner Mutter meine eigenen Barbie-Kleider genäht und Perlenketten gemacht. Im Sommer habe ich draußen eine Decke hingelegt und dort Hair Wraps und geknüpfte Bänder verkauft. 

Welche deiner Kreationen ist aus deiner Sicht die schönste?

Es fällt mir schwer, mich für ein einziges Kleidungsstück zu entscheiden, da ich mit jeder neuen Kreation, die ich anfertige, wieder neue Dinge lerne und somit jedes Mal meine neueste Kreation als die schönste ansehe. Ich habe zum Beispiel vor kurzem eine Bundfaltenhose mit hoher Taille und einer perfekten Passform vollständig selbst entworfen, aber meine aktuelle Kreation, die Leah aus Nr. 7, ist momentan doch mein Favorit und ich trage sie zur Zeit sehr viel. Ein Boilersuit/Jumpsuit sitzt immer superbequem und ist morgens immer ganz praktisch, denn man ist im Handumdrehen fertig.  

Worauf bist du am meisten stolz?

Alles, was ich bis jetzt gemacht habe und was mich auf das Niveau gebracht hat, auf dem ich mich jetzt befinde. Ich habe mir alles selbst beigebracht und wenn ich etwas nicht wusste, habe ich es herausgefunden. Bei jedem abgeschlossenen Projekt denke ich kurz darüber nach, dass ich es selbst entwickelt habe, vom Stück Stoff bis zu einem gut passenden Kleidungsstück!

Gibt es für dich Herausforderungen in dieser Handarbeitswelt?

Ja, ich stehe immer wieder vor neuen Herausforderungen. Alle Techniken oder Passformen, die ich zuvor noch nicht angewendet habe, sind wieder eine neue Herausforderung, die ich bewältigen muss. So lerne ich ständig etwas Neues dazu und bin noch lange nicht am Ende!

Was ist beim Nähen und/oder Stricken deine größte Angst/Frustration?

Ich bin Perfektionistin und somit gleichzeitig meine schlimmste Kritikerin. Ich sehe immer noch etwas, was besser sein könnte. Mein größter Frust ist das Auflösen und Auftrennen von Nähten und glaub mir, das mache ich sehr oft. Das ist ein Prozess von Auftrennen und erneut Nähen bis es in meinen Augen perfekt ist.

Menschen, die nicht nähen/stricken: Wie würdest du sie überzeugen?

Ich erhalte viele positive Reaktionen von Menschen um mich herum wenn sie hören, dass ich meine Kleidung selbst genäht habe. Ich merke, dass viele Frauen eigentlich auch gern ihre eigene Kleidung anfertigen wollen. Es vermittelt einem ein so schönes Gefühl, wenn man mit seinen eigenen Händen und mit viel Mühe etwas erschafft, und gleichzeitig hat man ein schönes Kleidungsstück, das man anziehen kann. Ganz dem eigenen Geschmack und der eigenen Größe entsprechend. Wer will das nicht?!

Woher bekommst du die Anregungen für deinen Blog? Und gibt es andere Blogs, die du toll oder inspirierend findest?

Ich habe auf Pinterest Pinnwände voll mit Ideen für zukünftige Kleidung, außerdem folge ich verschiedenen Nähblogs auf Instagram wie dem schönen Blog von contour_affair und auf das Nähen bezogenen Hashtags, tollen (Bekleidungs-) Marken, die mich inspirieren, wie Catwalkjunkies und frühere Modetrends aus dem letzten Jahrhundert, vor allem aus den 70er und 80er Jahren. 

Woher kommt der Name deines Blogs? Und warum hast du ihn gewählt?

Da mir die Kleidung in den Standard-Größen der Bekleidungsindustrie aufgrund meiner Länge nie gepasst hat, habe ich angefangen, Kleidung zu nähen. Ich wollte gern einen Namen haben, der zu meiner Idee passte, Kleidung für größere Frauen wie mich anzubieten. Als ich nach Synonymen für eine längere Person gesucht habe, ist das Wort „lanky“ (schlaksig) ins Auge gefallen. Das bedeutet „wenig anmutige, hochaufgeschossene Person“. So fühle ich mich häufig, daher fand ich es sehr passend, meinem Blog diesen Namen zu geben.

Motivieren dich die Reaktionen auf deinen Blog? Hast du viel Kontakt zu deinen Followern / regelmäßigen Besuchern?

Ja, auf jeden Fall. auf Instagram gibt es aktuell eine sehr nette "Sewing Community" und ich finde es unglaublich schön und inspirierend, Teil davon zu sein. Ich glaube, dass wir viel voneinander lernen und uns gegenseitig inspirieren können, auch Menschen, die noch nie genäht haben.  Ich bekomme die tollsten Reaktionen von Frauen auf der ganzen Welt, und das ist eine so unglaublich schöne Seite von Social Media. 

Wie sieht dein Arbeitsplatz aus? Und wo befindet er sich?

Ich wohne gemeinsam mit meinem Freund in einer Einzimmerwohnung in Rotterdam. Du kannst dir also vorstellen, dass hier nicht viel Platz ist für mein aus dem Ruder gelaufenes Hobby.  Inzwischen habe ich den Esstisch permanent mit meinen Nähprojekten belegt, aber wenn ich ehrlich bin haben wir hier doch nicht allzu häufig gegessen. Der große Kratzbaum meiner Katze Sam hat zusätzlichem Stauraum weichen müssen, daher haben wir die Außenseite des Schranks zu einem enormen Katzen-Kratz-Palast umgewandelt, demzufolge mit ganz viel Platz für alle meine Stoffe, Kurzwaren und Maschinen. 

Was würdest du in Zukunft noch gern machen?

Ich habe noch so unglaublich viele Ideen im Kopf und ständig kommen neue dazu! Meine Stoffe für Projekte, die ich so schnell wie möglich angehen möchte, liegen sofort sichtbar im Schrank und ich kann schon mal sagen, dass viele von ihnen zu Rüschen und Puffärmeln verarbeitet werden! Auf dem Plan steht unter anderem ein Maxi-Dress mit Puffärmeln, ein Top mit Puffärmeln, ein langes Leopardenkleid und Shorts mit dazu passendem Top. Mein aktuelles Projekt, ein Overall mit Rüschen für meine einjährige Nichte ist fast fertig, danach wird es wieder Zeit für ein Projekt für mich.

Welche Tipps & Tricks würdest du Näh- und Strickanfängerinnen mitgeben?

Es ist nicht schlimm, Fehler zu machen, denn die sind unvermeidbar. Fange immer mit einem (alten) Stück Stoff an, das deine Mutter noch herumliegen hat oder mit einem alten (kaputten) Laken. Ich habe mir selbst viele YouTube-Videos angesehen, Tutorials anderer Bloggerinnen gelesen und es gibt viele Bücher für Näh-Anfängerinnen mit einer deutlichen Erklärung aller Begriffe und Techniken. Mir hat auch sehr geholfen, dass bei Fibre Mood die Schritte sehr deutlich beschreiben sind inklusive einer Zeichnung, sodass auch eine Anfängerin nähen kann! Ich empfehle, mit einem Baumwoll- oder Leinenstoff anzufangen statt mit einem glatten synthetischen Stoff, der das Nähen erschwert. 

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